Die gekaufte Kuh und ich

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Die gekaufte Kuh…

Ich teste derzeit Kauf ne Kuh, eine zunächst gut klingende Variante des Crowdbutching. Für knapp 100 Euro gibt es ein Paket mit ca. 7,2 kg (ab 1,78 € pro Mahlzeit) verschiedenster Fleischstücke, vom Filet, Suppenfleisch, Gulasch, Entrecôte usw. und auch Zubereitungen wie Burgerpatties und Bratwurst. Auf der Homepage wird eine Transparenz versprochen, die aber bei genauerem Hinsehen nicht eingehalten wird, und ich vermisse detaillierte Angaben zu Herkunft, Aufzucht und Schlachtung. Das Fleisch kommt nicht in bioqualität, das ist für diesen Preis klar.

 

https://youtu.be/Rb7QwOJuPWc

Die verschiedenen Fleischstücke und Zubereitungen kommen vakkumiert und alles passt in exakt eine Schublade meines Tiefkühlfachs. Das Entrecôte habe ich gegrillt für eine bald erscheinende Kochbuchbesprechung verwendet, die Rindsbratwürste waren überraschend lecker und im Tiefkühler warten jetzt noch die restlichen Fleischpäckchen. Wie Kollege Stevan Paul bereits auch festgestellt hat: warum die Kuh in Deutschland geschlachtet und in den Niederlanden portioniert wurde, erschließt sich mir ebenfalls nicht, da hat das Vieh also doch noch eine Reise hinter sich, die Handelskette ist länger als gedacht.

Fazit (nach Herrn Paul): mehr Informationen im Detail und Kauf ne Kuh wäre tatsächlich ein annehmbares Angebot – jenseits des Biobereiches.

Stevan Paul berichtet über seine Erfahrung mit der Idee des Crowbutching in seinem Blog nurticulinary.com darüber. Er stellt auch noch 4 weitere Versandanbieter vor und bemerkt noch etwas, das auch mir schon länger auffällt und mich beschäftigt, im stillen Kämmerlein. Aber dazu gleich mehr.

Abschließend zum Fleischversand gebe ich Stevan Paul recht, das gute Metzgerhandwerk stirbt aus in Deutschland. Es gilt, die wenigen verbleibenden, guten Metzger zu unterstützen und dort zu kaufen wo Menschen mit Herz und Verstand hinter Ihren Produkten stehen. Das gilt natürlich auch für das Bäckerhandwerk. 

 

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…und ich

Die zahlreichen und vielfältigen Reaktionen bei Stevan Paul auf die einfache Ankündigung, demnächst im Blog einen Fleischversender und die Idee des Crowdbutchings vorzustellen, zeigten was mich schon eine Weile beschäftigt:

Neulich im Supermarkt treffe ich einen Bekannten, der schaute mich an als sähe er einen Geist. Was ich in einem Supermarkt mache fragt er mich. Ich überlege und er erklärt mir, dass ich doch alles auf dem Biohof kaufe? Spontan muss ich an die Geschichte aus Schlaraffenland denken, in der just ein Foodblogger mal fünfe gerade sein lässt und normales Hackfleisch kauft. Das begleitet mich seit ein paar Tagen, denn welches Bild vermittle ich den Leuten in meinem nahen Umfeld und wie wirkt das wohl erst auf meine Leser(innen) im Blog? Was mich dann endgültig aus der Bahn wirft ist ein Kommentar einer Freundin, der ich ein Foto aus einem aktuellen Shooting schicke. Darauf ist eine Bratwurst zu sehen und zurück kommt dass die Wurst sicher auch selbst gemacht ist?

Natürlich möchte ich mich jeden Tag von frischen Markteinkäufen, selbstgebackenem Brot, Wurst aus der eigenen Herstellung vom möglichst eigenen (Paten-)Tier (Bio!) ernähren. Wer wünscht sich das nicht? Per du mit dem Ökobauern vor der Haustür und gerne auch einen eigenen Acker oder Garten zum bewirtschaften. Aber. Das ist für mich genau so wie für die meisten Menschen in der Realität nicht umsetzbar. Mit meinen festen Arbeitszeiten schaffe ich es zumeist nicht einmal auf den Wochenmarkt. Nach einem schnellen Einkauf im Supermarkt wartet meist der Haushalt, Mails für das Blog beantworten und Hausaufgaben von Maximilian beaufsichtigen, den ich zwischendurch auch noch abgeholt habe. Anschließend noch raus mit dem Kind, welches seit es in die Schule geht auch noch ausreichend Bewegung und Spiel im Freien will, mit Mama natürlich. Also PC zuklappen, Kochpläne aufs Wochenende verschieben und los geht’s. Am Abend dann noch kochen, essen, Küche sauber machen und Kind ins Bett bringen, gefährlich, denn beim Vorlesen des abendlichen Märchens schläft meist die Mama vor dem Kind und ich muss oft von meinem Mann aus den Kinderzimmer geweckt werden. Dass ich dann noch Energie finde, einen schönen Text fürs Blog zu tippen oder mir gute Rezepte auszudenken ist reine Glückssache. Das Wochenende findet zwischen Putzeimern, Kind, Küche und Fotoapparat statt; ab und an Events, über die ich mich immer sehr freue und natürlich vielfältige Familienausflüge. 

Dennoch bereitet mir das Bloggen große Freude und ich finde immer Zeit und Muse für neue Themen. Und ich werde nicht Müde, für eine bewusstere Ernährung, im Rahmen meiner und aller anderer Möglichkeiten – zu plädieren. Unsere Küche hat sich in den letzten Jahren stark verändert, denn es gibt wesentlich weniger Fleisch. Dafür plane ich die Fahrt zum Metzger meines Vertrauens umso genauer und es funktioniert wunderbar. Auch kann ich ab und an Maximilian davon überzeugen, dass wir Samstag für kurz einen Ausflug zum Biohof in der Nähe machen – aber ohne Supermarkteinkäufe würde es einfach nicht funktionieren.

 

 

4 Comments

  • Liebe Kerstin, das Thema interessiert mich sehr, ich habe seit deinem ersten Post (war es auf Instagram? Weiß nicht mehr) verfolgt was du so zur gekauften Kuh geschrieben hast. Mich hat wahrscheinlich besonders angesprochen, dass man ein Paket mit verschiedenen Fleischstücken bekommt, auch Sachen, die ich so nicht einfach beim Metzger bestellt hätte (ich bin so ein Filet und Schnitzel-Käufer – shame on me).
    Dein Bericht bestätigt aber meine ersten Gedanken. Nämlich doch lieber bei meinem Vertrauensmetzger zu kaufen und da einfach mal über den eigenen Schatten zu springen und auch mal was abseits von Filet&Co zu bestellen. Besonders die Verpackung in den Niederlanden schreckt mich komplett vom Online-Angebot ab. Ich finds klasse, dass du das so ehrlich schreibst, vielleicht bewirkt das auch bei den Herstellern ein Umdenken.
    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag
    Julia

    • Hallo liebe Julia,
      danke, das tut gut. Die Qualität des Fleisches ist völlig in Ordnung, aber ja, der doch vorhandene lange Transportweg, die nicht so klare, versprochene Transparenz und auch dass im Paket eben „nur“ die üblichen Verdächtigen wie Filet und Co. vorhanden sind finde ich sehr schade und würde mich freuen, wenn der Anbieter sein Angebot überdenkt. Liebe Julia, ich kann Dir nur ans Herz bzw. an den Magen legen, dass du dir beim Vertrauensmetzger mal ein FlatIron oder ein Spider Steak bestellst, gerade darf ich ein Papada vom Schwäbisch Hällischen testen – es ist ein Jammer welche gute Fleischstücke wegen mangelnder Nachfrage in unserer Wurst landen.
      Hab einen feinen Sonntag, herzlich, Kerstin.

  • Es ist schon faszinierend, dass jeder denkt nur weil man einen Foodblog hat kauft man nur auf dem Wochenmarkt & und frisch vom Bauern ein. Mir geht es da wie dir, dazu lässt der Wochenmarkt in der Gegend sehr zu wünschen übrig und der Supermarkt meines Vertrauens führt auch regionales von Milch über Fleisch bis zu Obst & Gemüse.
    Fleisch wird bei mir seit ein paar Jahren im „ganzen“ bestellt – nächste woche kommt hier 1/8 quasi Bio Kuh von der Nordsee an, aufteilt zwischen der Family die perfekte Größe und in so guter Qualität das ich dies bisher nicht bei mir bekommen habe.

    Aber klar, darunter leidet dann wieder die lokalen Anbieter, und wenn keiner mehr kauft sterben die Läden aus – alles ein leider negativer Kreislauf.

  • Warum werben eigentlich die meisten damit, dass das Fleisch „direkt vom Bauern“ kommt? Würde mich wundern, wenn dem nicht so wäre!!! Komisch 😉

    Hallo Kerstin, vielen Dank für Deinen Bericht. Hatte ihn schon im November gelesen und mich dann ausführlich mit dem Thema beschäftigt. Habe bei kaufnekuh.de und meinbiorind.de bestellt und komme zu einem klaren Urteil.

    KaufneKuh. de verspricht Nachhaltigkeit – doch bei den langen Transportwegen bis nach Holland, kann es nicht im Sinne der Nachhaltigkeit sein, auf über 600km Abgase in die Luft zu pumpen. Zur Regionalität gehört für mich, dass die Tiere in unmittelbarer Nähe (am besten auf der Weide) getötet, geschlachtet und verpackt werden!

    MeinBioRind.de gibt genau diese Versprechen – und laut Verpackung ist es auch tatsächlich so. Auf der Seite wird nachvollziehbar erklärt, wo die Tiere aufwachsen und wo sie geschlachtet und verpackt werden. Regionalität und Nachhaltigkeit werden dort nicht nur versprochen sondern auch gelebt und nach meiner Erfahrung, ist es auch im Geschmack des Fleisches zu merken.

    KaufneKuh verspricht zwar Fleisch aus glücklicher Kuhhaltung. Dies kann aber eben jeder für sich auslegen. Und da vertraue ich doch eher den Betrieben, die sich zertifizieren lassen. Dort finden zumindest in gewissen Abständen Kontrollen statt – denen ich auch bloss vertrauen muss. Aber ich vertraue eher einer „Behörde“ die für Bio-Kontrollen zuständig ist, als einem Unternehmen, das auf Profit aus ist und mir verspricht „klar, ist alles Bio – nur ohne Zertifikat“!

    Kerstin, mach weiter so. 🙂

    Liebe Grüße, Ina

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