Bratkartoffeln Pfälzer Art “dreggiche Grumbeere”

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

 

Jesses nä, die Palz is’ schää – sag ich jetzt mal so als Pfälzer, und zum perfekten Lebensgenuss gehört für den Pfälzer auch das gute Essen dazu. Allerdings muss ich zugeben: Wir Pfälzer treffen die Namenswahl für unsere traditionellen Gerichte nicht besonders glücklich.  Da gibt es den „Saumaache“ (Saumagen), einen „schiefen Sack“ oder eben das folgende Gericht, die “dreggiche Grumbeere” (schmutzigen Kartoffeln). Schlimmstes wird meist erwartet, wenn das Gericht beim Namen genannt wird, meist gefolgt von panikartigen Fluchtreaktionen – rüber zum Salatbuffet. Ich kann es sogar verstehen, denn wer vermutet schon hinter dem „Saumagen“ eine mit Kartoffeln, zartem Fleisch, würzigem Brät und Gemüse gefüllte Köstlichkeit? Ich würde mich auch wundern, dass sich hinter dem „schiefen Sack“ eine Hausmacherplatte mit herrlich säuerlichem Sauerkraut, 1 Leberknödel (Lewwerknepp), 1 Bratwurst und meist noch eine Scheibe Saumagen verbirgt? So auch dieses Armeleuteessen, die “dreggiche Grumbeere” (schmutzigen Kartoffeln) – ein einfaches Gericht, aber herrlich würzig und pikant. Dazu selbst eingelegte saure (scharfe) Gurken und ein Glas Weißwein – das nenn ich Lebensgenuss auf Pfälzisch!

 

(für etwa 4 Personen:

  • 1kg fest kochende Kartoffeln (Grumbeere)
  • 2 kleine Zwiebeln (Zwiwwel)
  • 200g Leberwurst (Lewwerwurschd)
  • 200g Blutwurst (Grieewewurschd)
  • etwas Majoran
  • Salz, Pfeffer

Kartoffeln mit Schale abkochen, abgießen, pellen und abgekühlt in Scheiben schneiden. Zwiebeln fein würfeln. In einer Pfanne Fett erhitzen, Kartoffeln hineingeben, mit Salz, Pfeffer und Majoran würzen. Wenn die Kartoffeln schon leicht knusprig ausgebacken sind die Zwiebeln hinzugeben, kurz vor dem Ende der Bratzeit die Leber- und Blutwurst vorsichtig unterrühren und mitrösten. Abschmecken und ggf. nachwürzen. Durch das Unterheben der Wurst werden die Kartoffeln „dreckig“. Ich mag die Wurst in Ringe geschnitten und getrennt von den Kartoffeln knusprig ausgebacken. Erst zum servieren gebe ich die Wurst dann zu dem Kartoffeln. Dazu gibt es selbst eingelegte saure Gurken.

 

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

 

Für ca. 8 Gläser (á 500ml) Gewürzgurken:

  • 2 kg Einmachgurken (vom Wochenmarkt)
  • 650 ml Weißweinessig
  • 2 l Wasser
  • 130g Zucker
  • 70 g Salz
  • 4 Knoblauchzehen, geschält & halbiert
  • 4  gelbe o. grüne Chilischoten
  • 1 Zwiebel
  • 1 Bund Dill
  • schwarze Pfefferkörner
  • Koriandersamen
  • gelbe Senfkörner

Gurken nach Größe sortieren, waschen und mit einem Tuch die Stacheln abreiben. Essig, Wasser, Zucker und Salz in einen Topf geben, aufkochen und abkühlen lassen. Chilischoten in Ringe (2cm) schneiden. Zwiebel halbieren und in Scheiben schneiden. Dill von den dicken Stielen abzupfen. Gurken in (sterilisierte) Gläser sortieren. Dill, Knoblauch, Chilischoten- und Zwiebelstücke auf die Gläser aufteilen. In ein großes Glas je 8 Pfefferkörner, 1TL Senfkörner und 1TL Koriandersamen geben. Gläser mit dem Sud auffüllen, sodass die Gurken vom Sud bedeckt sind. Die Gläser mit Deckeln verschließen. Die Gläser im Wasserbad 30 Minuten einkochen, dann Herd abschalten und 10 Minuten im Wasserbad stehen lassen. Anschließend herausnehmen und abtropfen lassen. Die Gurken dürfen jetzt min. 4 Wochen durchziehen, dann können sie verkostet werden. Haltbar sind die Gewürzgurken dann mindestens 1 Jahr, vermutlich werden meine dieses stattliche Alter nicht erreichen. Memo an mich: mach in der nächsten Saison die doppelte Menge!)

 

Die für mich perfekte Begleitung für diese leichte Kost bildete ein gut gekühltes Glas Silvaner vom Weingut Brendel (Pleisweiler-Oberhofen). Der Brendel-Silvaner ist herrlich frisch, kräftig (ich bin jetzt mal mutig und erschmecke gelbe Pflaumen) aber nicht schwer und wunderbar cremig im Nachhall. Zum Abschluss noch ein Pfälzer Trinkspruch für Euch: „Kä Hingl – kä Ei, kä Winzer – kän Woi“. In diesem Sinn,

„proschd“ Kerstin.

 

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

“dreggiche Grumbeere” (schmutzige Kartoffeln)

12 Comments

  • ei joo gudd, die Pälzer kenne halt ach esse…. sagt der Saarländer 🙂

    Mir laft das Wasser im Mund sesamme, e Glas „Inmachgurke“ hann ich noch im Keller, Blut- un Lewwerworschd gehn ich kaafe, am Samschda gebbd`s dann „dregische Grumbeere à la Kerstin“… Nur fa de Bub muss ich mir was iwwerlehe, der iss seit neischdem e bissje schnäubisch un esst kä Worschd mee, awer do fallt ma noch was in 🙂

    GLG Peter

  • Wirklich tolle Fotos von einer noch besseren zünftigeren Mahlzeit! Während ich mich mit der Pfälzer Traditionskost noch anfreunden muss, war meine bessere Hälfte (Rheinländer) bei deinem Gericht gleich Feuer und Flamme 🙂 Vielleicht komm ich ja auch noch auf den Geschmack! 🙂

    Liebe Grüße,
    Svenja

    • Hachz <3 Svenja! Meine Männer hatten die "entschärfte Version: Bratkartoffeln mit gebratenen Saumagenscheiben 🙂 Ist auch was für Anfänger 😉

  • Scheener Beitrag … ich schätze das pälzer kochgut auch sehr und stell mir grad vor
    ich wär en paar Kilometer weiter überm Rhoi geborn, will gar nit weiter driwer noochdenke 🙂
    Lg, Marion

  • Es isch so scheee äh pälza Mädel do zu treffe!
    Und du hast Recht, die Namen unserer Leckereien sind vielleicht echt eher abschreckend aber EGAAALLL!
    Mein Freund wurde vor 2 Wochen in die Künste der Pfälzer Weinstube eingeführt, traditionell mit Schiefer Sack un Saumage, lecker wars!

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